Jesus folgen #4: Von Jesus lernen – mit „Leben wie Er“

Wie können wir Jesus ähnlicher werden? Das ist ein zentrales Thema für Menschen, die Jesus nachfolgen. Der Kurs „Leben wie Er“ geht dem auf die Spur. Wir sprechen mit Markus Blüm, der den Kurs schon mehrfach in der Overflow Kirche Wiesbaden als Kleingruppe durchgeführt hat.

Das Buch „Leben wie Er“ hat 17 Kapitel, von denen jedes eine andere Charaktereigenschaft oder einen Lebensstil von Jesus in den Blick nimmt: unter anderem Sanftmut, Menschlichkeit, Zielgerichtetheit, Gebet … Warum eignet sich das Buch für den Einsatz in Kleingruppe und Hauskreis? 

Weil es ein sehr praxisorientierter Kurs ist, der auch ein Selbststudium beinhaltet. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass der Lern- und Veränderungseffekt viel, viel größer sind, wenn ich mir ein Thema anhand der Bibel selbst erarbeite, statt nur Informationen vermittelt zu bekommen.  

Es sind auch ungewöhnliche Kapitel dabei. Eins heißt zum Beispiel „Sich freuen wie Jesus“, ein anderes „Leiden wie Jesus“.

Ja, und auch „Heilig leben wie Jesus“, „Geduldig sein wie Jesus“ oder auch „Vergeben wie Jesus“ – das ist ein ganz spannendes Kapitel. Es sind ganz unterschiedliche Charaktereigenschaften, die einen auch dann, wenn man das Buch zum fünften Mal durcharbeitet, immer wieder herausfordern.

Ein anderes Kapitel behandelt „die Kosten eines jesusähnlichen Lebens“. Es ist ein Jüngerschaftskurs, der mich aus meiner Komfortzone lockt …

Ja, definitiv. Aber gleich danach kommt das Kapitel über den „Lohn eines jesusähnlichen Lebens“ (lacht).

Wie hast Du mit dem Kurs im Hauskreis konkret gearbeitet?

Bevor ein Kapitel in der Kleingruppe thematisiert wird, arbeitet es jeder im Arbeitsbuch zuhause selbst durch – anhand der Bibelstellen, die genau diese Charaktereigenschaft von Jesus verdeutlichen. Jedes Kapitel beginnt damit. Erst danach geht es darum, einen Abgleich zu machen: Wie viel von dieser Charaktereigenschaft sehe ich in meinem Leben? Wo gibt es Defizite? Wo kann ich etwas noch stärker in mein Leben implementieren?

Das ist mir aufgefallen: Das Buch fordert durch detaillierte Fragen auf, zuerst nur hinzuschauen, was Jesus in einer bestimmten Situation tut. Man kommt nicht direkt in die Übertragung – das ist klar getrennt. 

Genau, dadurch wird es auch so intensiv … Erfahrenere Christen kennen die Bibelstellen ja alle – aber acht oder zehn Bibelstellen zu einer Charaktereigenschaft Jesu oder einem Aspekt in seinem Leben zu lesen, macht mir natürlich viel deutlicher, wie Jesus mit bestimmten Dingen umgeht. Über diese Fokussierung lerne ich Jesus noch einmal viel besser kennen. Er soll ja unser Vorbild sein, wir wollen mehr so werden wie er.

Und wie geht es nach der „Hausaufgabe“ dann in der Kleingruppe weiter? Wie strukturierst du den Abend?

Zuerst steige ich mit einem persönlichen Austausch ein – wie geht es den Teilnehmern, ganz unabhängig von unserem Thema? Im Anschluss folge ich der Struktur der Kapitel im Buch, indem wir zuerst fragen: Wie hat Jesus die verschiedenen Eigenschaften ausgelebt? Das führen wir uns mit Bibelstellen auch gemeinsam noch einmal vor Augen. In einem zweiten Schritt erst lassen wir es persönlich werden: Wo stehe ich bei diesem Thema? Welche Veränderungen beinhaltet das? Dass jeder in der Kleingruppe sein persönliches Erleben mit einbringt, vertieft das Thema noch einmal.  

Wie viel Vorbereitung kostet es mich als Kleingruppenleiter, wenn ich den Kurs durchführe?

Beim ersten Mal ist es wichtig, die Kapitel selbst durchzuarbeiten, damit ich aus der Ich-Perspektive mitreden kann – das ist natürlich zeitintensiv. Bei jeder Wiederholung des Kurses geht es schneller. Ich mache zwar für mich auch die Hausaufgaben, die jeder Teilnehmer macht (und lese das Buch wenigstens im Schnelldurchlauf nochmal – was immer wieder spannend ist), muss für den Abend selbst aber nur die Gesprächsführung vorbereiten. Ich transportiere ja keine Inhalte, ich bin kein Wissensvermittler, sondern Moderator. Es gibt zu diesem Arbeitsbuch auch noch ein sehr kompaktes Leiterhandbuch mit Diskussionsfragen zu jedem Kapitel: Das gibt mir eine Anleitung, wie ich das Thema als Kleingruppenleiter mit gezielten Fragen noch einmal vertiefen und gut durch den Abend führen kann.

Markus, du hast den Kurs schon mehrfach mit Kleingruppen gemacht. Hast du etwas erlebt, das für dich ganz besonders war?

Das Highlight ist eigentlich immer das Kapitel „Vergeben wie Jesus“. Da wird es wirklich persönlich. Wir haben den Kurs fast immer mit Leuten gemacht, die eher am Anfang ihres Glaubenslebens standen. Beim Thema Vergebung ging es für viele ans „Eingemachte“, an die ganz dicken Brocken: „Dem konnte ich noch nie vergeben, aber jetzt merke ich, ich bin herausgefordert, das doch anzugehen …“ Da ging es um Eltern, die sich irgendwo fehlverhalten haben, um tiefe Verletzungen, die ans Licht gekommen sind und geheilt werden konnten.

Wenn tiefe Verletzungen aufbrechen, kann Heilung auch ein Prozess sein. Hast du Menschen auch zur Begleitung in die Seelsorge weiterverwiesen?

Ja, vereinzelt schon, aber das war eher die Ausnahme.

Das heißt, dass für die meisten die entscheidenden Knoten schon dadurch gelöst wurden, dass sie Dinge erkannt und ausgesprochen haben und zusammen gebetet wurde?

Das Spannende für mich war zu sehen, dass allein das selbst Lesen in der Bibel für etwa ein Drittel der Teilnehmer eine Herausforderung war. Erst einmal die mit einem Kürzel angegebenen Bibelstellen zu finden und sich allein mit der Bibel und einem Thema auseinanderzusetzen. Das war für einige eine ganz neue Erfahrung. Ich glaube, dass sich viele Christen heute nicht mehr mit der Bibel als der originalen Quelle unseres Glaubens auseinandersetzen. Und wenn das dann geschieht, haben wir erlebt, wie viel Kraft das im Leben der Teilnehmer entfaltet.