Eltern-Kind-Treff: Warum Größeres oft mit einer Tasse Kaffee beginnt

Wann ist eine Kleingruppe evangelistisch? Wenn sie ein Ort ist, wo Christen auf Bedürfnisse ihrer Umgebung antworten und Anteil an ihrem Leben geben. Ein Eltern-Kind-Treff in der Wiesbadener Innenstadt erhält viel Resonanz von Familien, die kaum Kontakt zu Glauben und Kirche hatten.  

Als wir überlegten, wie wir Familien in unserer Stadt erreichen können, hatten wir keinen ausgefeilten Masterplan. Wir hatten ein Café (das kurz zuvor von unserer Kirche ins Leben gerufen worden war), ein Herz für Menschen – und die Überzeugung, dass Gottes Liebe nie dafür gedacht war, bei uns stehen zu bleiben. Sie will weiterfließen. Genau deshalb gibt es seit einem Dreivierteljahr unseren Eltern-Kind-Treff im Overflow Café in der Wiesbadener Innenstadt. Wir wünschen uns, dass die Liebe, die Gott uns schenkt, ganz praktisch bei Eltern und ihren Kindern ankommt – durch offene Türen, ehrliche Gespräche, gelebte Gastfreundschaft und eine Gemeinschaft, in der jeder willkommen ist. Also haben wir einfach angefangen.

Jeden Mittwochvormittag treffen sich Eltern mit ihren Kindern zwischen 0 und 3 Jahren. Sie trinken Kaffee, beobachten ihre Kinder beim Spielen, tauschen sich über schlaflose Nächte, Beikost, Trotzphasen und die kleinen Siege des Familienalltags aus. Eigentlich nichts Besonderes. Und vielleicht gerade deshalb etwas ganz Besonderes.

Beziehungen entstehen nicht auf Knopfdruck

Wer mit jungen Eltern unterwegs ist, merkt schnell: Viele sehnen sich nach Gemeinschaft. Gleichzeitig fällt es oft schwer, neue Kontakte zu knüpfen. Zwischen Windeln, Terminen und wenig Schlaf bleibt dafür kaum Kraft. Deshalb wollten wir keinen weiteren Programmpunkt schaffen, sondern einen Ort.

Einen Ort, an dem niemand etwas leisten muss. An dem Kinder laut sein dürfen. An dem Eltern ehrlich erzählen können, wie es ihnen gerade geht. Einen Ort, an dem sie erleben dürfen, dass Gott Menschen liebt – und dass diese Liebe ganz praktisch werden kann.

Was wir erleben, überrascht uns bis heute. Fast jede Woche kommen neue Familien dazu. Gleichzeitig wachsen echte Freundschaften. Manche bleiben nach dem Treff noch lange auf einen Kaffee sitzen. Andere verabreden sich inzwischen privat. Aus einem wöchentlichen Angebot ist nach und nach eine kleine Gemeinschaft entstanden.

Ein kurzer Impuls mit großer Wirkung

Vor einigen Monaten haben wir begonnen, den Treff mit einem kurzen Gedanken abzuschließen. Manchmal ist es ein Bibelvers. Manchmal eine persönliche Erfahrung. Manchmal erzählen wir von einem kleinen oder großen Wunder aus unserem Familienalltag. Nicht als Predigt. Sondern als ehrliche Ermutigung.

Ich hätte erwartet, dass dieser Teil eher höflich angehört wird. Tatsächlich passiert oft das Gegenteil. Eltern hören aufmerksam zu, stellen Fragen oder erzählen anschließend von ihren eigenen Erfahrungen mit Glauben, Hoffnung oder schwierigen Lebenssituationen. Gerade weil vorher schon Beziehung entstanden ist.

Niedrigschwellig heißt nicht oberflächlich

Viele Familien, die zu uns kommen, hatten vorher kaum oder gar keinen Kontakt zu Kirche oder christlichen Angeboten. Das Interessante ist: Das spielt zunächst überhaupt keine Rolle. Sie kommen, weil sie Gemeinschaft suchen. Sie bleiben, weil sie sich willkommen fühlen.

Und irgendwann entstehen ganz natürliche Gespräche über den Glauben. Nicht, weil jemand diskutiert oder überzeugen möchte. Sondern weil Menschen erleben, dass Christen ihnen ehrlich zuhören, ihre Kinder willkommen heißen und ihren Alltag ein Stück mittragen.

Vielleicht ist genau das eine der schönsten Arten, Gottes Liebe weiterzugeben.

Was wir bisher gelernt haben

Falls ihr darüber nachdenkt, selbst einen Eltern-Kind-Treff zu starten, möchten wir euch diese fünf Dinge als Anregung mitgeben:

  1. Lieber regelmäßig als spektakulär.

    Ein fester Termin schafft Vertrauen. Menschen kommen wieder, weil sie wissen, dass der Treff verlässlich stattfindet.
  2. Beziehungen sind wichtiger als Programm.
    Lieder, Kaffee und Spielsachen sind hilfreich. Aber die wertvollsten Momente entstehen meistens zwischen zwei Tassen Kaffee und in einem ehrlichen Gespräch.
  3. Kinder öffnen Türen.
    Wo Kinder gemeinsam spielen, kommen Eltern fast automatisch ins Gespräch. Oft entstehen daraus Freundschaften, die weit über den Treff hinausgehen.
  4. Der geistliche Impuls darf kurz sein.
    Drei ehrliche Minuten wirken oft mehr als zwanzig perfekt vorbereitete. Menschen spüren, ob etwas mitten aus dem Leben kommt.
  5. Hab Geduld.
    Vertrauen wächst langsam. Doch wenn Menschen sich angenommen fühlen, öffnen sich mit der Zeit auch Türen für Gespräche über den Glauben.

Zwischen Bauklötzen spüren wir ein Stück vom Himmel

Ein Eltern-Kind-Treff braucht keine perfekte Ausstattung und kein großes Budget. Er braucht Menschen, die da sind. Menschen, die zuhören. Menschen, die Gottes Liebe ganz selbstverständlich im Alltag weitergeben. Und Woche für Woche erleben wir, wie Familien Gemeinschaft suchen, die bisher kaum Berührungspunkte mit Kirche oder dem christlichen Glauben hatten. Darin liegt eine große Chance.

Und auch jede christliche Mama und jeder christliche Papa, die einfach mit ihren Kindern dazukommen, sind ein Gewinn. Nicht unbedingt, um ein Programm zu gestalten oder eine Aufgabe zu übernehmen – sondern um mit uns Beziehungen zu leben, anderen zuzuhören und Gottes Liebe ganz natürlich im Alltag weiterfließen zu lassen.

Manchmal beginnt das Reich Gottes nicht auf einer großen Bühne. Manchmal beginnt es auf einer Krabbeldecke. Zwischen Bauklötzen, bei einer Tasse Kaffee und einem ehrlichen Gespräch. Und auch wenn ihr nicht gerade ein Café zur Verfügung habt: Startet in eurem Wohnzimmer, eurem Gemeindehaus, auf dem Spielplatz oder einem anderen Ort, der euch offensteht.