Predigten in Kleingruppen besprechen und vertiefen

Wer kennt es nicht? Gerade eben noch hat der Pastor leidenschaftlich über Vergebung, Erneuerung des Gebetslebens oder die Kraft der Auferstehung gepredigt, doch sobald ein Fuß aus dem Kirchengebäude gesetzt wird, sind maximal noch zehn Prozent von dem wertvollen Inhalt in unseren Köpfen. Nach der Fahrt nach Hause sind es vielleicht noch fünf Prozent, und spätestens nach einem üppigen Mittagessen existiert dann oft nur noch die Erinnerung daran, dass es eine Predigt gab. Worum es ging, wird schnell vergessen. Doch was wäre, wenn unsere Kleingruppen Orte des Tiefgangs wären, die aus jeder Predigt wahres Gold schürfen würden? Orte, die die wertvollen Inhalte der Predigt vertiefen und auf das individuelle Leben jedes Kleingruppenteilnehmers anwendbar machen? Genau darum soll es heute gehen. 

 

1 Das Wesen der Predigt 

Zunächst stellt sich hier und da vielleicht die Frage, weshalb es überhaupt, neben einer Kleingruppe, noch den Besuch einer Ortsgemeinde mit der Verkündigung des Wortes Gottes braucht. Was zeichnet das Wesen einer Predigt aus? Dafür wollen wir einen Blick in die Bibel werfen: 

„Denn »wer den Namen des Herrn anruft, wird selig werden«. Wie sollen sie aber den anrufen, an den sie nicht glauben? Wie sollen sie aber an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie aber hören ohne Prediger? Wie sollen sie aber predigen, wenn sie nicht gesandt werden? Wie denn geschrieben steht: »Wie lieblich sind die Füße der Freudenboten, die das Gute verkündigen!« Aber nicht alle waren dem Evangelium gehorsam. Denn Jesaja spricht: »Herr, wer glaubte unserm Predigen?« So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi.“ (Römer 10,13-17 LU17)

 

Mit einer Reihe rhetorischer Fragen betrachtete Paulus die Kette von Ereignissen, die notwendig sind, damit eine Person gerettet wird. Die Logik dieser Kette erschließt sich ziemlich leicht: 

  1. Menschen rufen Jesus nur dann wegen ihrer Rettung an, wenn sie glauben, dass er retten kann. 
  2. Der Glaube an Christus kann nicht ohne Wissen über ihn vorhanden sein. 
  3. Man hört nur dann von Christus, wenn jemand die rettende Botschaft verkündet. 
  4. Die Botschaft Christi wird nicht verkündigt, wenn nicht jemand von Gott dazu gesandt wird. 

 

Da die Errettung nur durch das Hören des Evangeliums kommt, sind die Füße derer, welche die Botschaft über Christus verbreiten, schön. Denn es sind die Füße, die die Boten an ihr Ziel tragen. Genauso soll uns auch der Predigtdienst als schön und wertvoll gelten, denn dadurch werden wir immer wieder neu auf das Evangelium ausgerichtet. Wer auf die Verkündigung des Evangeliums mit glaubensvollem Vertrauen reagiert, der wird gerettet. In Vers 17 fasst Paulus seine Argumentation noch mal zusammen: Man kann nur durch die Verkündigung des Evangeliums zum Glauben kommen – und eben diese Botschaft, die gehört werden muss, ist das Wort Christi, d. h. die gute Nachricht über Jesus Christus als den gekreuzigten und auferstandenen Retter. Diese Nachricht sollte sich in jeder Predigt und bei jedem Kleingruppentreffen bemerkbar machen. Und dabei geht es nicht um eine Predigt, an die am Ende ein losgelöster Bekehrungsaufruf angehängt wird. Im Gegenteil: Die gute Nachricht von Christus als lebendigem Retter sollte durch alles hindurchscheinen: Egal, ob wir über 1. Mose, Hosea, Matthäus oder Offenbarung predigen. Die Bibel zeigt uns in unterschiedlichen Büchern in unterschiedlicher Intensität und Klarheit, wie souverän Gott seinen Heilsplan nicht nur angekündigt hat, sondern wie er sich in Christus erfüllte.  

 

2 Die Treffen als Kleingruppe 

Mit dieser Grundlage können auch die Kleingruppentreffen gelingen. Die Grundlage für eine Predigt und eine fruchtbringende Besprechung in Kleingruppen sind immer das Wort Gottes, Evangelium und Gebet im Zentrum 

 

Das Wort Gottes im Zentrum bedeutet, dass nicht die persönlichen Erfahrungen und Geschichten des Predigers im Zentrum stehen. Das können ermutigende und spannende Zeugnisse sein, die uns inspirieren oder motivieren, doch was ewig Bestand hat und gültig bleibt, ist Gottes Wort. Deshalb sollte jedes Treffen (wie auch jede Predigt) entweder einen Hauptbibeltext oder aber ein Thema (z. B. Vergebung, Nächstenliebe, Wiedergeburt, Identität, etc.) und dazu dann eine Auswahl an verschiedenen Bibelstellen als Grundlage haben. Dafür eignet es sich übrigens, sowohl im Alten als auch im Neuen Testament zu schauen, ebenso in verschiedenen Textgattungen (Geschichte, Gleichnis, Weisheitsliteratur, Propheten, Briefe, etc.). Diese können und sollten natürlich auch mit eigenen Erlebnissen oder auch aktuellen Nöten und Fragen im Gespräch ergänzt werden, unser Glaubensfundament jedoch sollte der lebendige Gott und sein Wort sein – das auch dann gültig ist, wenn ich es gerade nicht fühle. 

„Einen andern Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.“ (1. Korinther 3,11 LU17) 

 

Das Evangelium im Zentrum bedeutet, dass wir in allem erkennen: Wir sind von Natur aus Sünder, die einen Retter brauchen, um in Beziehung zu dem einen wahren, heiligen Gott zu leben. Daher ist Christus, ganz Gott und ganz Mensch, auf die Erde gekommen, um stellvertretend für uns die Schuld und den Zorn Gottes auf sich zu nehmen. Durch seinen Tod und seine Auferstehung können alle, die Gottes Gnade erkannt haben und an ihn glauben, ewiges Leben haben. Unsere Identität ist dann nicht mehr „Sünder“, sondern „Heilige“. Hier auf Erden dürfen wir nun jeden Tag aufs Neue von Gottes Geist verändert werden, dessen Wirken uns Gott ähnlicher machen will – oder etwas frommer ausgedrückt: Gottes Wille ist unsere Heiligung (1. Thessalonicher 4,3). 

Schon in den ersten Gemeinden gab es die Versuchung, sich in irgendwelchen Nebenschauplätzen zu verlieren, anstatt das Evangelium jeden Lebensbereich durchdringen zu lassen. Für Kirchengeschichte-Nerds oder einfach interessierte Bibelleser, die so manchen biblischen Text im Neuen Testament besser verstehen wollen: Die Gnosis war im frühen Christentum eine verbreitete Irrlehre, gegen die Paulus und andere Autoren des Neuen Testaments in ihren Briefen auch entschieden vorgingen.  

„Gnostizismus stammt aus dem altgriechischen Wort »gnosis« ab und bedeutet »(Er-)Kenntnis«. Gnostiker behaupten eben diese höhere Erkenntnis zu besitzen, nicht durch die Bibel, sondern durch eine mystische höhere Existenz. Gnostiker sehen sich selbst als privilegierte Gruppe an, die allen anderen aufgrund ihres hohen und tiefen Wissens von Gott überlegen ist.“ (https://www.gotquestions.org/Deutsch/christlicher-gnostizismus.html 

Paulus warnte auch seinen Schüler und geistlichen Sohn Timotheus, dass er auf die gesunde, evangeliumszentrierte Lehre achten sollte, denn einige beschäftigten sich lieber mit Themen, die außerhalb der Schrift stehen, anstatt sich mit Gottes offenbartem Heilsplan zu beschäftigen. 

„Als ich nach Mazedonien abreiste, bat ich dich, in Ephesus zu bleiben, weil es dort Leute gibt, die falsche Lehren verbreiten, und gab dir den Auftrag, ihnen das zu verbieten. Halte dich auch weiterhin an diese Anweisung! Denn die Legenden [oder: Mythen] und endlosen Geschlechtsregister, mit denen sie sich befassen, führen nur zu Spekulationen, statt dass sie den Glauben fördern und damit der Verwirklichung von Gottes Plan dienen. Sie bringen auch keine Liebe hervor, und gerade das muss doch das Ziel aller Verkündigung sein – Liebe aus einem reinen Herzen, einem guten Gewissen und einem Glauben, der frei ist von jeder Heuchelei. Dieses Ziel haben jene Leute aus den Augen verloren, und daher ist alles, was sie von sich geben, leeres Gerede. [LU: Davon sind einige abgeirrt und haben sich hingewandt zu unnützem Geschwätz]. Sie wollen Lehrer des Gesetzes sein, das Gott durch Mose gegeben hat, und dabei verstehen sie nichts von dem, wovon sie reden und worüber sie solche selbstsicheren Behauptungen aufstellen.“ (1. Timotheus 1,3-7 NGÜ) 

Sie hielten sich damit für besonders fromm und geistlich, obwohl das viel mehr ihre Verlorenheit zeigt (wie in den darauffolgenden Versen deutlich wird). Die Irrlehrer förderten Streitfragen mehr als das Voranschreiten des Reiches Gottes durch den Glauben an Christus. Falsche Lehre führt zu sinnlosen Spekulationen, während die gesunde, biblische Lehre zu tatkräftigen und guten Werken führt, die in der Liebe verwurzelt sind. Und diese Liebe muss aus innerer, vom Heiligen Geist bewirkter Veränderung herrühren, die mit reinem Herzen (statt von sündigen Begierden erfüllt), mit gutem Gewissen (statt mit Schuld beladen) und mit ungeheucheltem Glauben (anstelle von Verstellung und Scheinheiligkeit) einhergehen. 

Lasst uns nicht der Versuchung erliegen, uns als eine geistliche Elite zu sehen und uns mit Legenden, Mythen, irrsinnigen Spekulationen zu beschäftigen – ebenso wenig wie der Versuchung, lau und gleichgültig zu sein. Gottes Wort ermutigt uns, dass wir darin forschen sollen, doch Paulus machte auch deutlich, was das Forschen, das Gott meint, bewirkt: Liebe aus einem reinen Herzen, einem guten Gewissen und einem Glauben, der frei ist von jeder Heuchelei. [Vers 5] Das ist die wahre Frucht des Evangeliums im Leben eines Gläubigen. 

  

Das Gebet im Zentrum bedeutet, dass wir uns in allem, was wir sind, denken, sagen und tun, der Abhängigkeit von unserem wunderbaren Schöpfer bewusst sind. Wir wollen nicht unser eigenes Reich bauen – weder als Prediger, noch als Kleingruppenleiter oder -teilnehmer. Wir wollen gemeinsam danach streben, Gott und sein Wesen besser kennenzulernen und ein Leben zu führen, das ihm Ehre bereitet und andere Gottes Herrlichkeit erkennen lässt. 

„Wie unerschöpflich ist Gottes Reichtum! Wie tief ist seine Weisheit, wie unermesslich sein Wissen! Wie unergründlich sind seine Entscheidungen, wie unerforschlich seine Wege! »Hat jemals ein Mensch die Gedanken des Herrn ergründet? Ist je einer sein Berater gewesen?« »Wer hat Gott jemals etwas gegeben, sodass Gott es ihm zurückerstatten müsste?« Gott ist es, von dem alles kommt, durch den alles besteht und in dem alles sein Ziel hat. Ihm gebührt die Ehre für immer und ewig. Amen. (Römer 11,33-36 NGÜ)

 

3 In der Praxis 

Wie kann solch ein Treffen nun in der Praxis aussehen? Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten: 

a.) Von der Gemeinde(leitung) verteilte Handouts

Es gibt manche Gemeinden, die extra für die Vertiefung der Predigten in Kleingruppen geeignete Handouts vorbereiten. Als Overflow Kirche tun wir dies seit Neuestem auch. Dafür gibt es ein Handout in kurzer und eins in ausführlicher Version. So kann der Kleingruppenleiter entscheiden, ob es eher ein tieferes, das Treffen füllendes Gespräch werden soll oder ob noch Raum für weitere Aktivitäten wie etwas Kreatives, etwas Sportliches oder gemeinsames Spielen bestehen soll. Der Vorteil davon ist nicht nur, dass die Predigten bzw. Predigtthemen besser im Gedächtnis bleiben – wir erinnern uns an die besagten wenigen Prozente wertvoller Gedanken an die Inhalte, die am Sonntag auch schnell wieder verflogen sind –, sondern auch, dass alle Kleingruppenteilnehmer motiviert werden, regelmäßig live vor Ort dabei zu sein oder (falls es einen Livestream gibt) sich die Predigt erneut bzw. erstmalig anzuhören, falls sie am Sonntag nicht live dabei sein konnten. Außerdem kann man sich so als gesamte Gemeinde gemeinsam in eine Richtung (geistlich gesprochen) bewegen, und die Themen können die Gespräche unter verschiedenen Gemeindemitgliedern bzw. Gottesdienstbesuchern anregen. Damit die Kleingruppenleiter immer Zugriff auf die aktuellen Handouts haben, gibt es dafür einen Link zu einer Cloud, über den immer die Handouts zu den aktuellen Predigten in kurzer und langer Version zur Verfügung stehen. 

Beispiel Handouts als Download:
Handout Kleingruppe lang
Handout Kleingruppe kurz

b.) Einzelne Kleingruppen 

Was aber, wenn die Gemeinde(leitung) solche Handouts nicht bereitstellt? Bevor wir dieses Konzept als gesamte Gemeinde gestartet haben, gab es einzelne Kleingruppen, die sich dies auch schon zum Thema gemacht hatten. In diesen Hauskreisen hatten dann die jeweiligen Hauskreisleiter selbst sich passende Fragen zum Thema überlegt oder sich einfach die besprochene Bibelstelle zum Anlass genommen, tiefer in Gottes Wort einzutauchen. Sehr praktisch ist es dafür natürlich, einerseits bei der Predigt live mitzuschreiben, um wichtige Gedanken für das Kleingruppentreffen griffbereit zu haben, andererseits aber auch die Teilnehmer zu ermutigen, sich Notizen zu machen und diese gern zum Treffen mitzubringen. Das können gute Gedanken, spannende Bibelstellen oder existenzielle Fragen sein. Wenn du noch mehr Inspiration oder Anleitung dazu brauchst, wie du ein Bibelstudium mit deiner Kleingruppe durchführen kannst, schau gern bei unseren Blogartikeln zu genau diesen Themen nach: Die Bibel in der Kleingruppe studieren – so geht’s! oder Lectio Divina – besser Bibel lesenFalls du diese Art von Kleingruppe neu starten möchtest, geh doch gern auf deine Gemeindeleitung zu und frage sie, ob sie dir zu den jeweiligen Predigten ihre Vorbereitungen (und falls vorhanden auch Predigtfolien) bereitstellen wollen. So kannst du auch noch mal den einen oder anderen Gedankengang, der vielleicht beim ersten Hören gar nicht so durchkam, in eurem Kleingruppen- bzw. Hauskreistreffen aufgreifen. 

 

Teile gern deine Erfahrungen mit dieser Art von Kleingruppe mit uns bei Instagram. Und falls du gern ein paar Handouts als Inspiration oder Vorlage haben möchtest, schreib uns einfach eine E-Mail an info@fliesstext.blog.