Ordnung und Struktur sind zwei Begriffe, die ich persönlich lieben gelernt habe. Doch nicht jedem kommt dabei automatisch etwas Positives in den Sinn. Viele verbinden damit Zwänge: „Ich muss aufräumen“, „ich muss Ordnung halten“ oder meinen Tag so strukturieren, dass ich zu einer bestimmten Zeit etwas Bestimmtes machen „muss“. Bei so viel „müssen“ wirkt es fast, als ob Ordnung und Struktur höhere Ziele wären, denen wir als Menschen untergeordnet sind. Tatsächlich aber sollten Ordnung und Struktur „uns dienen“, ähnlich dem von Jesus in der Bibel beschriebenen Sabbat, und nicht wir der Struktur und Ordnung.
„Und Jesus fügte hinzu: Der Sabbat ist für den Menschen gemacht, nicht der Mensch für den Sabbat“ (Markus 2,27).
Nach diesem geistlichen Prinzip wollen wir Ordnung und Struktur betrachten.
Ordnung und Struktur sind zwei kraftvolle Werkzeuge für einen erleichterten und vereinfachten Alltag und bekommen heutzutage eine immer größere Bedeutung. Darüber hinaus finden sich diese Prinzipien in der Bibel wieder und eröffnen die Möglichkeit, auf unser geistliches Leben Einfluss zu nehmen und dieses zu fördern.
Stress im Alltag reduzieren
Immer mehr Sachen sammeln sich in westlichen Haushalten an. Es gibt immer mehr Produkte und Lösungen auf dem Markt und das zu immer günstigeren Preisen. Medien gaukeln einem vor, dass man alles Mögliche „unbedingt“ benötigt. Das Resultat: Unser Zuhause ist überfüllt mit Sachen, die kaum verwendet werden. Das Gegenteil von Ordnung aber, nämlich Unordnung – so das Ergebnis wissenschaftlicher Studien – sorgt im Körper für ein höheres Level des Stresshormons Cortisol. Interessanterweise sind davon vor allem Frauen betroffen. Somit hat Unordnung einen direkten Einfluss auf das allgemeine Wohlbefinden (der ganzen Familie!). Eine Illustration, die hilft dies zu verstehen, ist die „silent to-do list“. Gemeint ist, dass jeder Gegenstand konstant eine stumme Aufforderung kommuniziert. So schreien die herumliegenden Klamotten auf dem Boden förmlich, „räum mich auf, steck mich in den Wäschekorb“, unsere geliebten Pflanzen sagen, „gieß mich“, die verstaubte Vase ganz hinten im Schrank flüstert, „verwende mich mal wieder“… Wenn man jedem einzelnen Gegenstand ein stummes To-do zuordnet, ist leicht nachzuvollziehen, dass man bei einem Überfluss an Gegenständen auch innerlich ein Gefühl von Chaos und Stress empfinden kann.
Die Lösung: Radikales Aussortieren von Dingen, die nicht mehr verwendet werden, um stattdessen einen ordentlichen Platz für die Dinge zu schaffen, die andauernd benutzt werden. Wenn diese Dinge dann ein „eigenes“ und geordnetes Zuhause bekommen, nämlich ein Plätzchen, das auch tatsächlich sinnvoll ist, kann Ordnung entstehen.
Funktionieren diese Strukturen wirklich?
An dieser Stelle ein kleiner Tipp zur Funktionalität deines Zuhauses: Hinterfrage doch mal im Laufe deines Tages, wo du tatsächlich welche Dinge benötigst. Gehst du beispielsweise immer ins Büro, um eine Schere zu holen? Eventuell brauchst du dann zwei Scheren an unterschiedlichen Orten. Musst du immer zwei Schüsseln aus dem Schrank heben, um die Schüssel zu erreichen, die du andauernd benutzt? Überleg mal, ob du die anderen beiden Schüsseln überhaupt noch benötigst oder ob du die Lieblings-Schüssel nicht an einem einfach zu erreichenden Ort platzieren kannst. Hinterfrage dich mal probeweise ein bis zwei Tage und beobachte, wo du nach besseren Lösungen suchen solltest. Oft machen kleine Veränderungen hier einen großen Unterschied.
Was uns die Bibel dazu sagt
Wenn du nun denkst, dass Ordnung und Struktur Erfindungen dieser neuen Zeit sind, so kann ich dir sagen: Das Prinzip der Ordnung und Struktur findet sich auch in der Bibel!
Sei es in der Ordnung und Struktur, die sich in der Schöpfungsgeschichte widerspiegelt oder konkreter in der Bibelstelle 1. Korinther 14,33: „Denn Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, sondern ein Gott des Friedens, wie in allen Gemeinden der Heiligen.“ Deutlich wird, dass Gott ein Gott des Friedens und der Ordnung ist (auch im Gottesdienst).
Freiräume finden für Glauben und Beziehung
In einem strukturierten und geordneten Alltag, wo nicht zu viele Gegenstände nach Aufmerksamkeit schreien, kann man auch eher Zeit finden, um täglich seinen Glauben auszuleben und zu vertiefen. Beten, Stille Zeit und Bibellesen sind Prioritäten eines aktiven Christen. Bewusste Strukturen erzeugen eine Stabilität und helfen dabei, Prioritäten bewusst zu setzen. Ein geordneter und strukturierter Alltag sieht dabei in jedem Haushalt unterschiedlich aus – er muss an die persönlichen Anforderungen des Lebens und die entsprechende Lebensphase jedes Einzelnen angepasst sein. Fest steht: Ordnung und Struktur sollen uns dienen und uns helfen, funktional zu leben, das Beste aus unserem Tag herauszuholen und unser geistliches Leben zu fördern.
Ganz nebenbei finden wir in einem dauerhaft geordneten Zuhause mehr Freiräume, um einen Hauskreis oder eine Kleingruppe zu besuchen. Sehr wahrscheinlich sinkt auch die Hürde, eine Kleingruppe bei uns zuhause anzubieten und zu leiten, wenn hektische Aufräumaktionen vorher entfallen. Ordnung und Struktur beeinflussen neben unserem geistlichen Leben also zusätzlich unsere Gastfreundschaft und schenken uns ein Plus an sozialen Beziehungen.