Jesus folgen #3: Jünger werden wir gemeinsam unterwegs

Mein Leben in und mit Jüngerschaft (oder Jesus-Nachfolge) entstand nicht aufgrund eines ausgeklügelten Gemeindekonzepts. Es gab vereinzelt Hauskreise, aber unsere Gemeinde hatte den Gedanken von Jüngerschaft durch Kleingruppen noch nicht aufgegriffen. Sondern es begann bei mir mit einer Hand voll Jugendlichen, ein paar Aufbackbrezeln und der Entscheidung, regelmäßig eine kleine Jungs-Kleingruppe anzubieten.

Was ich damals erlebt habe, hat mich tief geprägt und meine Sicht darauf, welche Rolle Kleingruppen und Hauskreise in Bezug auf Jüngerschaft spielen, maßgeblich verändert. Von einem „Kleingruppen sind schon ganz gut für die Gemeinschaft“ hin zu einem „Kleingruppen sind der effektivste Weg, um Menschen zu ,Jüngern zu machen’”, wie Jesus es sagt (vgl. Mt 28,19).

In dieser Kleingruppe haben wir geredet, gelacht, gebetet und gemeinsam in der Bibel gelesen. Und plötzlich passierte etwas: Die Jungs merkten, dass mein Glaube nicht nur Theorie war. Sie sahen, wie ich versuchte, Jesus im Alltag nachzufolgen – mit meinen Stärken, aber auch mit meinen Schwächen. Diese Echtheit löste etwas in ihnen aus und es entstand ein Hunger nach mehr von Gott. Ein echter Hunger! Das wiederum hat mein Herz erfüllt und mir so viel zurückgegeben, weil eine Opferbereitschaft entstand, eine Hingabe zu Jesus und ein Wunsch, mehr zu werden wie er.

Und genau das ist Jüngerschaft.

Jesus setzte seine Jünger nicht in ein Klassenzimmer. Er war mit ihnen unterwegs. Sie aßen gemeinsam, liefen durch Dörfer, erlebten Wunder und stellten Fragen. Sie sahen, wie Jesus betete, wie er Menschen begegnete und mit Herausforderungen umging. Jüngerschaft bedeutet deshalb nicht in erster Linie ein Programm – sondern ein gemeinsames Leben mit Jesus.

Gemeinsames Leben bedeutet: Jesus 24/7, jeden Tag der Woche, im Fokus zu behalten und nach ihm zu suchen. Man braucht davon keine „freien” Tage, weil er die größte Freiheit gibt – und das sogar an „vollen” Tagen. Manchmal sprechen wir über Jüngerschaft, als wäre es ein Spezialprogramm für besonders engagierte Christen. Aber eigentlich ist es viel einfacher – und gleichzeitig viel radikaler.

Jesus nannte seine Nachfolger Jünger (vgl. Lk 14,26-27). Deshalb glaube ich: Jeder Christ ist ein Jünger Jesu – oder sollte es zumindest sein. Der Unterschied liegt vielleicht darin, ob wir uns aktiv auf diesen Weg einlassen. Ein Jünger zu sein bedeutet: nicht nur an Jesus zu glauben, sondern ihm auch nachzufolgen.

Wenn ich zurückblicke, hätte ich mir in meiner eigenen Jugend mehr geistliche Begleiter gewünscht. Es gab Gottesdienste und Freizeiten, aber Menschen, die wirklich nah mit mir unterwegs waren und mir geistlich vorausgingen, fehlten mir. Lag es daran, dass es solche Vorbilder im Glauben schlichtweg nicht gab, oder waren sie einfach nur nicht an der nächsten Generation interessiert? Das könnte man fragen. Ich persönlich glaube, dass es viel damit zu tun hat, ob diese Art von Beziehung und dieses Investment vorgelebt oder sogar verlangt wird und Bestandteil einer Gemeindekultur ist. Denn erst wenn klar kommuniziert wird, dass es wichtig ist, sich in kommende Generationen zu investieren, ob im 1 zu 1 oder in einer kleinen Gruppe, entsteht auch ein Bewusstsein dafür. Erst dann erkennen Christen, dass genau darin ihre Berufung liegen kann – und auch, dass das eigene Investment sie wiederum selbst erfüllt.

In einer kleinen Gruppe passiert etwas Besonderes:

  • Menschen werden ehrlich.
  • Fragen dürfen gestellt werden.
  • Glauben wird praktisch.
  • Beziehungen entstehen.

Oft reicht es schon, sich regelmäßig zu treffen und einfache Fragen zu stellen:

  • Wie geht es dir wirklich?
  • Wo stehst du gerade mit Gott?
  • Wofür kann ich für dich beten?

Jüngerschaft ist oft viel einfacher, als wir denken.

Ich durfte viele junge Männer begleiten – als Taufbegleiter, in Kleingruppen oder im Alltag. Einige von ihnen leiten heute selbst Dienstbereiche in der Gemeinde. Genau das ist das Herz von Jüngerschaft: Was Gott in dein Leben gelegt hat, wird weitergegeben. Und plötzlich entsteht eine Kette von Menschen, die wiederum andere prägen.

Genau dieses Prinzip beschreibt die Bibel: „Und was du von mir gehört hast vor vielen Zeugen, das vertraue treuen Menschen an, die fähig sein werden, auch andere zu lehren“ (2 Tim 2,2).

Man könnte sagen: Kinder im Glauben werden selbst wieder zu geistlichen Vätern und Müttern. Denn am Ende ist Jüngerschaft kein modernes Gemeindemodell. Es ist der Weg, den Jesus selbst gewählt hat. Und bis heute gibt es keinen besseren Weg, Glauben zu multiplizieren und Menschen zu prägen: Jüngerschaft passiert gemeinsam unterwegs!